Kunststoffschienen sorgen für erholsamen Schlaf ohne Aussetzer
BOGENHAUSEN · Schlafstörungen nachts, Müdigkeit am Tag – so kennt es fast jeder. Doch was passiert, wenn man trotz ausreichendem Schlaf nie wirklich erholt wirkt? Dann könnte eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) dahinterstecken.

Viele Betroffene merken nicht einmal, wie sie nachts Atemaussetzer haben oder wie stark ihre Luftzufuhr eingeschränkt ist. Die Folge: Tagsüber extreme Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und eine beeinträchtigte Lebensqualität bis hin zu Depressionen.
Weltweit leiden nach Schätzungen mehr als eine Milliarde Menschen an schlafbezogenen Atemregulationsstörungen. In Deutschland betrifft es laut der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie rund 14 Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen.
Langfristig erhöhen sich Risiken
Was macht eine Schlafapnoe aus? In der Nacht versackt der Körper in einer unzureichenden Sauerstoffzufuhr. Der Puls sinkt, der Blutdruck steigt, und das Atemzentrum meldet Alarm. Oft merkt der Betroffene davon nichts – bis zur nächsten Unterbrechung.
Die Ursache liegt in einer Erschlaffung der Muskulatur im oberen Atemweg. Der Atemweg verengt sich oder blockiert, wodurch Schnarchen entsteht und Atemaussetzer auftreten.
Langfristig erhöht eine unbehandelte Schlafapnoe-Risiken wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall oder Herzrhythmusstörungen.
Oft unbehandelt und chronisch
Nicht jeder Atemaussetzer ist gefährlich. Gelegentliches, kurzes Atemanhalten ohne Tagesmüdigkeit braucht keine akute Sorge. Bis zu fünf Atemaussetzer pro Stunde sind normal.
Beobachtung und ärztliche Abklärung bei persistierenden Beschwerden sind dennoch sinnvoll. Obstruktive Schlafapnoe ist eine ernstzunehmende, aber oft unterbehandelte chronische Erkrankung.
Masken werden oft nicht akzeptiert
Die wirksamste Behandlung bei schweren Fällen ist die CPAP-Therapie (continuous positive airway pressure). Dabei trägt der Patient nachts eine Maske, durch die ein leichter Überdruck in die Atemwege geblasen wird. Dieser Druck hält den oberen Atemweg offen, reduziert oder verhindert Atemaussetzer und mindert die Tagesmüdigkeit.
Viele berichten jedoch von Unwohlsein, beengtem Gefühl oder unangenehmen Nebenwirkungen wie trockenem Hals, Nase oder Schleimhäuten. Die Akzeptanz liegt aber nur bei rund der Hälfte der Patienten – etwa 50 Prozent brechen die Therapie nach spätestens sechs Monaten ab.
Vielversprechende Alternative
Eine vielversprechende Alternative sind orale Schlaftherapiegeräte, sogenannte MADs (Mandibular Advancement Devices), erklärt Dr. Otmar Rauscher:
»Diese Unterkieferprotrusionsschienen verschieben den Unterkiefer leicht nach vorne. Der Rachenraum geöffnet und Weichteile wie Zungengrund und Mandeln werden so gehalten, dass sie nicht in die Atemwege zurückfallen. Dadurch vergrößert sich der Raum hinter der Zunge, die oberen Atemwege bleiben offener, und die Gefahr von Schlafapnoe- oder Schnarchereignissen reduziert sich.«
Gute Patientenakzeptanz
MADs bestehen aus zwei Kunststoffschienen, die über die Ober- und Unterkieferzähne gesteckt werden und über eine Verbindung den Unterkiefer nach vorne schieben. Besonders geeignet bei leichter bis mittlerer OSA, können MADs auch ergänzend oder in schweren Fällen eine Option sein, wenn CPAP unverträglich bleibt.

Die Schienen sind maßgefertigt, individuell anpassbar und aus nahezu unzerbrechlichem medizinischen Nylon 3D gedruckt. Moderne Modelle ermöglichen zudem Feinanpassungen des Vorschubs.
Solche Niedrigschwellenlösungen gewinnen immer mehr an Bedeutung, so Dr. Rauscher. »Große Vorteile sind die gute Patientenakzeptanz, die kompakte Handhabung und die bewährte Wirksamkeit bei Reduktion von Atemaussetzern.«
Ein gut koordinierter, moderner Behandlungsweg kombiniere unterschiedliche Ansätze und berücksichtige die Präferenzen des Patienten, um deren Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Die Herstellung einer Unterkieferprotrusionsschiene ist in unserer Praxis voll digital und abdruckfrei.
Dazu werden die Zähne in beiden Kiefern mit der CEREC Kamera gescannt und die Schienen dann von einem spezialisierten zahntechnischen Labor mittels 3D Druck hergestellt.
Quelle: Verlags-Sonderveröffentlichung Gesundheit | Münchener Wochenanzeiger